Schau, wie lieb: Mikrotourismus

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Alle lieben es zu reisen...

...aber niemand will Tourist sein. Tourismus wird den schalen Beigeschmack der plakativen Banalität nicht los. Der klassische Tourist bewegt sich wie auf Schienen, genießt was genossen zu werden hat, fotografiert, was alle fotografieren und verschwindet wieder. Hoffentlich hat er Geld da gelassen, denn deshalb tun sich das die Verantwortlichen der Tourismusdestinationen ja an. Schnell muss es gehen, viel muss es sein und so kontrollierbar wie möglich soll es bleiben. Sicherheit geht vor, dann kommen gleich Spaß und Entspannung. Für jeden etwas, ganz der Zielgruppe angepasst.

Fake City

Während meines letzten Urlaubes - ich war in eine kroatische Tourismushafenstadt eingeladen worden, die wirklich fast täuschend echt auf alt gemacht ist und durch die abends ausschließich Touristen flanieren, wenn man von den kroatischen Tourismusbediensteten und ihren pubertierenden und postpubertierenden Nachfahren absieht - erlitt ich eine schwere Urlaubsneurose. Es war nicht nur viel zu heiß und viel zu voll, zum Gaudium der Touristen wurde auch noch ein "traditionelles" Eselrennen durch die Straßen des Zentrums veranstaltet. Ich hab´ mir das nicht angeschaut, aber die Mädels berichteten von blutigen Striemen auf Eselpopos. Bei sowas neige ich zu Wutanfällen und Hasstiraden. Das will niemand hören. Nach einem Autounfall und verstörenden Kommunikationen in fremder Sprache waren wir froh, endlich wieder die Heimfahrt anzutreten.

Touristophobia - Angst vor Touristen

Außer mir kenne ich noch unzählige andere Menschen, die es hassen, als Tourist im Ausland auf gleichsprachige Touristen zu treffen. Der gleichsprachige Tourist ist immer Inbegriff der Fremdscham. Unter keinen Umständen möchte man mit ihm in Verbindung gebracht werden. Womöglich verfällt man schlagartig in erbittertes Schweigen, um nur ja keine phonetischen Parallelen mit dem Touristen gegenüber zu outen. Touristische Verbrüderungen finden nur in Ausnahmefällen statt, etwa bei Not oder Trunkenheit. Die einzige Alternative ist Flucht. Da man als Tourist in der Fremde aber nicht weiß, wohin man in Tourismuszentren vor Touristen fliehen könnte, muss man dieses eine Mal noch irgendwie durchstehen, sich danach aber dringend neu orientieren, wenn´s um Urlaub geht.

Mikrotourismus als Ausweg

Seit diesem Event bin ich Protagonistin des Mikrotourismus. Bestimmt gibt es diesen Ausdruck bereits, aber mir ist er eben auch eingefallen und zwar für meine Chance, die Touristin in mir mögen zu lernen. Die hat nämlich...

...Lust auf alles andere

Mikrotourismus heißt Lust auf Details. Mikrotourismus heißt aber auch Lust auf Vergessenes, Lust auf Schrulliges, Lust auf Natur und Tiere und vor allem, Lust auf Menschen jeder Mikroregion. Das Beste am Mikrotourismus ist, dass man nicht weit fahren muss, denn jedes stolze Örtchen hat ihn. Schau hin oder schau her auf den Wortstern, mikrotouristische Reiseberichte folgen in Kürze!

Last modified onThursday, 29 August 2019 18:47
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